28. Oktober 1965

Das Handorfer Wappen

Am 28. Oktober 1965 genehmigte der Innenminister des Landes NRW der Gemeinde Handorf, ein Wappen, ein Siegel und einen Banner zu fĂŒhren.

Der Wellenschnitt soll die fĂŒr Handorf so charakteristische Lage an der Werse versinnbildlichen. Eine weitere Besonderheit Handorfs ist die im Winkel von Ems und Werse gelegene Wallburg Haskenau, von deren einstiger Befestigung der Flechtzaun in der unteren SchildhĂ€lfte kĂŒnden soll. Das Kreuz im Obereck ist dem Siegel des mittelalterlichen Geschlechts von Handorf entnommen, es mag zugleich an die kirchliche Vergangenheit der Gemeinde erinnern, die Bischof Sigfrid bereits 1022/32 zur Pfarrei erheben wollte; die dadurch zum Ausdruck gekommene enge Verbindung zum mĂŒnsterischen Bischof sollen die Bistumsfarben Rot-Gold versinnbildlichen.

"Handuorper" Heimatlied

1.

O wu schön iss mien Westfaolen, löchtest wiet mien Heimaotsland.

Wat ik segge iss kein Praohlen, daorup giew ik die de Hand;

Eiken waßt dao stur un mĂ€chtig, Roggen, Waite, GiĂ€rst un Flaß,

un en Menskenschlag so dĂ€ftig, de kennt Arbeit un auk Spaß.

2.

O wu schön iss usse Handuorp, an dem grönen Wersestrand.

Un et iss nich nur in Mönster, sondern wiet in’t Land bekannt.

Starke Burschken, fiene Wichter, köhles Beer tu de rechten Tied,

un en Leedken up de Lippen, dat giew echte Fröhlichkeit.

3.

Usse Handuorp dat is wassen, de letzten Jaohre wannig graut.

Fiene HĂŒser, niee Straoten, woar’n öwerall nu baut.

Un et kamm’n fremde LĂŒde, deen’t geföllt in ussen Ort.

Denn in Handuorp is guet liÀrben, well eenmoal doa is, geiht nie fort.

4.

Ne niee BrĂŒgge hĂ€fft wie kriegen, nu kuomt wie schneller ins gröne Hoalt.

Auk die Kierke woard verfienert, dröver freit sich Jung und Aold.

Ingemeindet schon siet Jaohren, sin wie Mönsters leiwsten Eck.

Wie sin aolls nette LĂŒde, hĂ€fft dat HiĂ€t an’nen rechten Fleck.

5.

Un so willt wie, Handuorps LĂŒde, aold ingesiĂ€ten oder niee,

immer trĂŒ tosammen hollen, wanne froh sein, frischk un frie.

Wenn auk up dem Patt dört LiÀrben, manks en Sturm voröwer geiht.

usse Heimaotwillt wie Leiwen, bes in aolle Ewigkeit.

Text: Henny Jochmann

Geld und Geltung

"Der endlose ErbmĂ€nnerprozess von MĂŒnster"

Warum kĂ€mpften angesehene Patrizierfamilien aus MĂŒnster generationenlang mit allen Mitteln, selbst Bestechung und FĂ€lschung, um Anerkennung als „adelig“? Und warum konnte am Ende die katholische MajestĂ€t in Wien ihren schließlich zu Gunsten dieser ErbmĂ€nner gefĂ€llten Spruch gegen katholische Institutionen des FĂŒrstbistums MĂŒnster erst durch Anfordern von Truppen der protestantischen Preußen durchsetzen? NatĂŒrlich, es ging um Geld. ErbmĂ€nnerfamilien waren im Fernhandel und dann in eintrĂ€glichen Verwaltungsposten des Bistums zu Reichtum und zu RittergĂŒtern im Umland gekommen. Nun ging es um die „StiftsfĂ€higkeit“, damit um Zugang zur Versorgung von Familiengliedern in Domherrenstellen mit extrem hohen EinkĂŒnften aus dem Reichtum der Kirche, denn lĂ€ngst war ein sehr großer Teil allen Bodens in geistlichem Eigentum. Im gleichen Zeitraum war die Situation in nicht kirchlich beherrschten und nicht feudal organisierten freien Stadtrepubliken anders: dort musste gegebenenfalls den Adel abgelegt haben, wer sich um BĂŒrgerrechte bewerben wollte. Das Schrifttum ĂŒber den damaligen Prozess und daran beteiligte Familien treibt noch heute, auch im Internet, bizarre BlĂŒten und davon sind ein wenig auch die Haskenau und Handorf betroffen.

Text: Prof. Dr. Max Hundeiker

Die Haskenau

"Arme Ritter in Handorf"

Bei Haskenau nahe Handorf befinden sich auf dem GelĂ€nde einer noch Ă€lteren, bereits durch Wall und Graben geschĂŒtzten Siedlung die Überreste einer Motte-and-Bailey-Burg aus dem 13. Jahrhundert. Diese Reste wurden mehrfach durch Mountainbiker vandalisiert, was darauf hindeutet, dass viele Menschen in der Umgebung dieses archĂ€ologische Denkmal nicht kennen. Deshalb lohnt es sich, auf diesen besonderen Ort aufmerksam zu machen.

Motte-and-Bailey-Burgen bestanden fast vollstĂ€ndig aus Erde und Holz. Im Mittelalter gab es viele solcher Anlagen in Europa. Dort, wo sie langfristig benötigt wurden, ersetzte man sie spĂ€ter durch Steinbauten, wie etwa die deutlich grĂ¶ĂŸere Anlage in MĂŒnsters Partnerstadt York. Im Gegensatz zu steinernen Befestigungen konnten diese Holz-Erde-Burgen jedoch schnell und kostengĂŒnstig auf flachem, felsfreiem GelĂ€nde mit örtlich verfĂŒgbaren Materialien errichtet werden. Solche „Billigburgen“ boten einen gewissen Schutz. HĂ€ufig wurden sie als provisorische oder vorsorgliche Befestigungen gebaut.

Kern der Anlage war die „Motte“ – ein kĂŒnstlich aufgeschĂŒtteter ErdhĂŒgel, der sich ĂŒber die Umgebung erhob. Auf seiner Spitze stand ein hölzerner Turm, umgeben von Palisaden oder FlechtzĂ€unen. Um den HĂŒgel verlief ein Graben. Oft diente der HĂŒgel lediglich als Zufluchtsort. Daran angeschlossen war ein Wirtschaftshof mit sehr einfachen Wohn- und StallgebĂ€uden. Dieser war wiederum von Graben und Wall, Palisaden, FlechtzĂ€unen oder Hecken umgeben.

Den in den historischen Quellen 1226 als Besitzer der Haskenau erwĂ€hnten „Ritter Hermann I.“ kann man sich als bischöflichen Verwalter vorstellen, der fĂŒr seinen Herrn Abgaben und Frondienste einzog. Die Haskenau selbst verfĂŒgte nur ĂŒber einen kleinen Landbesitz. Sie lag geschĂŒtzt im Winkel zwischen Ems und Werse, war jedoch schwer zugĂ€nglich. 1324 wurde sie aufgegeben; die zugehörigen FlĂ€chen dienten anschließend der Viehmast und wurden von der bischöflichen Burg Schöneflieth an der Ems aus verwaltet.

Text: Prof. Dr. Max Hundeiker

Wandel und Erinnerung

 

Wandel beschreibt VerÀnderungen in Gesellschaft, Kultur oder im Lebensraum eines Menschen. Erinnerung hÀlt Erlebnisse, Erfahrungen und Vergangenes fest. Beide Begriffe hÀngen eng zusammen: WÀhrend sich die Welt stÀndig verÀndert, bleibt Vergangenes durch Erinnerungen lebendig.

„Vielleicht hilft die Erinnerung dabei, aus der Vergangenheit zu lernen und den Wandel besser zu verstehen.“

Nachfolgende Orte und Begrifflichkeiten sind Teil der Vergangenheit. Sie sollen in Erinnerung gerufen werden und fĂŒr einen kurzen Moment, dem Leser und Betrachter, in den Gedanken der Gegenwart erscheinen. Dadurch wird sichtbar, wie Vergangenes trotz des Wandels bis heute nachwirkt.

(Heimatverein Handorf)

Hof zur Linde

Hof zur Linde — eine Geschichte von ĂŒber tausend Jahren

Der Hof zur Linde ist ein Ort, an dem Geschichte in jedem Detail spĂŒrbar wird. Seine UrsprĂŒnge reichen bis ins frĂŒhe Mittelalter zurĂŒck, in die Zeit Karl der Große, als die sĂ€chsischen Gebiete erschlossen wurden. Bereits um das Jahr 900 wird „Linde“ in KirchenbĂŒchern als Besitz des Domkapitels MĂŒnster erwĂ€hnt.Im Laufe der Jahrhunderte Ă€nderten sich Namen und Besitzer: 1340 erscheint der Hof als „von der Linden“, 1498 als „Schulte to Linden“. Nach dem WestfĂ€lischer Frieden im Jahr 1648 wurde der Grundstein fĂŒr das GebĂ€ude gelegt, das die Basis des heutigen Ensembles bildet.

Vom Aufschwung zu schwierigen Zeiten

Im 18. Jahrhundert gehörte der Hof zur Linde zu den grĂ¶ĂŸten Höfen in Handorf. Das FachwerkgebĂ€ude mit 13 vertikalen StĂŒtzen galt als architektonisch bemerkenswert und besonders wertvoll. Doch die Geschichte des Hofes ist nicht nur von Wachstum geprĂ€gt. WĂ€hrend des DreißigjĂ€hriger Krieg erlitt er schwere SchĂ€den durch PlĂŒnderungen. SpĂ€ter verschĂ€rften sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Zeit der Napoleonische Kriege. Dennoch wurde der Hof immer wieder aufgebaut — dank der UnterstĂŒtzung der Gemeinschaft und der Ausdauer seiner Besitzer.

Ein Ort der Erholung und Inspiration

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Handorf zu einem beliebten Ausflugsziel fĂŒr die Bevölkerung MĂŒnsters. Bereits 1804 wurde am Hof eine Gastwirtschaft eröffnet, und der Besucherandrang war so groß, dass das Dorf den Beinamen „Dorf der großen Kaffeekannen“ erhielt. An Wochenenden verkehrten SonderzĂŒge, und auf der Werse fuhr ab 1882 ein kleines Dampfschiff mit Halt am Hof. Regatten fanden statt, der Rudersport entwickelte sich, und entlang des Flusses entstanden BootshĂ€user. 1890 errichtete der Ruderverein MĂŒnster hier sein erstes Bootshaus.

Tradition und moderner Komfort

Seit 1950 befindet sich der Hof zur Linde im Besitz der Familie Löfken. Mit viel Sorgfalt bewahrte sie das historische Erbe und entwickelte den Hof zu einem eleganten „Romantik-Hotel Hof zur Linde“, das Tradition und modernen Komfort vereint. Heute begeistert dieser Ort nicht nur durch seine Geschichte, sondern auch durch seine besondere AtmosphĂ€re von Ruhe und Geborgenheit. Hier kann man dem Alltag entfliehen, die Natur genießen und die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart erleben.

Der Hof zur Linde ist nicht einfach ein Reiseziel — sondern ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird und jeder Aufenthalt zu etwas Besonderem wird.

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Wersehof

Wersehof ist ein besonderer Ort, an dem historisches Erbe und modernes Leben aufeinandertreffen.

Bereits im Kataster von 1828 befand sich hier, an der Kreuzung von drei Wegen, ein Haus mit Hof und Gastwirtschaft, das zu einem wichtigen Anlaufpunkt in der Region wurde. Dank seiner Lage an der alten Verbindung von Dorbaum nach MĂŒnster spielte dieser Ort schon immer eine besondere Rolle. Der unbefestigte Sandweg war schwer zu befahren, und genau hier machten Reisende und Bauern Halt, spannten Pferde um und setzten ihre Reise fort. So entwickelte sich der Wersehof zu einem natĂŒrlichen Ort der Rast, des Austauschs und der Wegekreuzung.

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs ging der Hof in den Besitz der Familie Teves ĂŒber, die den Betrieb ĂŒber viele Jahrzehnte hinweg weiterfĂŒhrte und die Tradition des Ortes bewahrte. Damit blieb der Wersehof ĂŒber Generationen hinweg ein lebendiger Teil der lokalen Gemeinschaft.

Heute beginnt fĂŒr das GelĂ€nde eine neue Phase seiner Geschichte. Nach der Schließung der Gastwirtschaft entstand hier im Jahr 2020 ein moderner Wohnkomplex mit Lebensmittelmarkt. Der Ort verbindet weiterhin seine hervorragende Lage und gute Erreichbarkeit mit zeitgemĂ€ĂŸem Wohnkomfort.

Der Wersehof steht heute fĂŒr die gelungene Verbindung von Geschichte, LebensqualitĂ€t und Zukunftsperspektive – ein Ort, an dem Vergangenheit den Rahmen fĂŒr modernes Wohnen schafft.

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Hof Beermann - Deutscher Vater

Im Zentrum des Dorfes Handorf stand einst der Hof Beermann – ein Ort, der ĂŒber Jahrhunderte hinweg das lebendige Herz des dörflichen Lebens bildete.

Bereits das Urkataster von 1828 erwĂ€hnt ihn als eine der Ă€ltesten landwirtschaftlichen StĂ€tten dieser Gegend. In der NĂ€he lagen weitere kleine Hofstellen wie Crede, Höping und Vedemann. Ihre Besitzer waren sogenannte Kötter: Bauern mit einem kleinen Haus, Garten und etwas Land. Trotz ihrer bescheidenen GrĂ¶ĂŸe bildeten diese Höfe seit dem frĂŒhen Mittelalter die Grundlage des Dorfes Handorf.

Das Leben dieser Menschen war eng mit der Natur verbunden. Sie weideten ihr Vieh auf den GemeinschaftsflĂ€chen der Handorfer Heide und stachen Plaggen – die obere Erdschicht, die sie als Streu im Stall und spĂ€ter als DĂŒnger auf den Feldern verwendeten. Alles war auf die Erde ausgerichtet, von der ihr Überleben abhing. Gleichzeitig waren diese Höfe nicht unabhĂ€ngig: Das Land gehörte kirchlichen Grundherren, darunter dem Bischof von MĂŒnster, dem Domkapitel sowie verschiedenen Klöstern der Stadt. Im Laufe der Zeit wechselten die Grundherren, ebenso wie die Abgaben der Bewohner.

Zum Deutschen Vater

Ein Wendepunkt war die SĂ€kularisation von 1803, als die kirchlichen Besitzungen enteignet wurden. Danach konnte die Familie Beermann ihren Hof fĂŒr 2.390 Reichstaler erwerben und wurde damit sein rechtmĂ€ĂŸiger EigentĂŒmer. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts begann sich Handorf zu verĂ€ndern und erhielt sogar den scherzhaften Beinamen „Dorf der großen Kaffeekannen“. In dieser Zeit eröffnete Bernhard Lobermann auf dem GelĂ€nde des Hofes Beermann eine BĂ€ckerei und die erste Gastwirtschaft des Dorfes mit dem Namen „Zum Deutschen Vater“. Sie wurde schnell zu einem zentralen Treffpunkt der Dorfgemeinschaft.

Domhof

Der Platz vor der Gastwirtschaft wurde „Domhof“ genannt – ein Ort, an dem sich die Menschen nach der Sonntagsmesse versammelten und Feste feierten. Ab 1926 ĂŒbernahm die Familie Micklinghoff den Betrieb und fĂŒhrte ihn als Hotel und Restaurant unter dem Namen „Deutscher Vater“ weiter. Fast 80 Jahre lang blieb es ein wichtiger Ort des Dorflebens, bis 2006 die Schließung erfolgte. Nach dem Abriss im Jahr 2010 entstand an dieser Stelle ein moderner Wohnkomplex, doch die Geschichte des Hofes Beermann bleibt bis heute ein Teil der Erinnerung an Handorf.

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Alte Dorfschule

Alte Dorfschule

In frĂŒheren Zeiten war das Schulwesen eng mit der Kirche verbunden. Bis ins 19. Jahrhundert lag die Schulaufsicht in den HĂ€nden der Pfarrer. Über die AnfĂ€nge der Schule in Handorf ist nur wenig bekannt. Im Visitationsbericht von 1571 wird sie noch nicht erwĂ€hnt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass spĂ€testens gegen Ende des 17. Jahrhunderts bereits Unterricht stattfand. Die erste urkundliche ErwĂ€hnung stammt aus dem Jahr 1765, als Franz Georg Hermes aus GĂŒtersloh als KĂŒster und Schulmeister tĂ€tig war.

Einen wichtigen Impuls fĂŒr die Entwicklung des Schulwesens gab der FĂŒrstbischof von MĂŒnster, Christoph Bernhard von Galen, der die GrĂŒndung von Schulen in allen Gemeinden seines Bistums förderte. Dabei wurden auch MĂ€dchen unterrichtet. Die Schulbeteiligung blieb jedoch lange Zeit gering. Im Jahr 1789 besuchte ein Teil der schulpflichtigen Kinder weder im Sommer noch im Winter den Unterricht. Auch 1791 war die Teilnahme niedrig: Von 49 SchĂŒlern nahmen im Sommer lediglich 13 am Unterricht teil. Der Unterricht fand vormittags von 8:00 bis 10:00 Uhr und nachmittags von 13:00 bis 15:00 Uhr statt. Zu den Unterrichtsinhalten gehörten Lesen und Schreiben, der Katechismus, die Bibel sowie deren Auslegung. Rechnen wurde nur gegen zusĂ€tzliches Schulgeld unterrichtet.

Das heutige GebĂ€ude der Dorfschule wurde 1868 nach einem Brand neu errichtet und zĂ€hlt zu den Ă€ltesten Bauwerken Handorfs. Nur die Pfarrkirche St. Petronella ist Ă€lter. Die SchĂŒlerzahlen stiegen im Laufe der Zeit deutlich an: 1865 besuchten 76 Kinder die Schule, 1894 waren es bereits 117. Die ursprĂŒnglich einklassige Schule wurde 1897 auf zwei und 1912 auf drei Klassen erweitert. Im Jahr 1896 wurde fĂŒr die MĂ€dchen eine eigene Schule am „Domhof“ eingerichtet. ZunĂ€chst genĂŒgte ein Klassenraum, bevor 1912 ein neues GebĂ€ude mit zwei KlassenrĂ€umen an der heutigen Ludwig-Wolker-Straße entstand.

Nach der spĂ€teren Teilung der Volksschule in Grund- und Hauptschule erhielt die Grundschule den Namen „Kardinal-von-Galen-Schule“ – entsprechend dem Votum von Eltern und Lehrern.

 

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Pröbsting

Der Hof Pröbsting gehört zu den Àltesten bekannten Höfen im Raum Handorf.

Bereits im Jahr 1200 wird er als *curia Hontorpe* erwĂ€hnt, 1304 erscheint die Bezeichnung *Pruvestinc*, 1498 schließlich *Schulte Prouestinc*. UrsprĂŒnglich handelte es sich um einen kleinen Herrensitz, der zeitweise sogar als Burg bezeichnet wurde. Hof und Sitz befanden sich um 1200 im Besitz des Stiftes Überwasser in MĂŒnster. Der Name deutet darauf hin, dass der Hof vermutlich aus einer Schenkung des Dompropstes hervorging.

Die Anlage hatte ĂŒber viele Jahrhunderte Bestand, wurde jedoch im 19. Jahrhundert weitgehend abgetragen.

Durch die NĂ€he zur Stadt MĂŒnster war auch Pröbsting immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Als der Bischof von MĂŒnster als ReichsfĂŒrst in militĂ€rische Konflikte verwickelt war, traf dies auch die umliegenden Höfe. Hinzu kamen lokale Streitigkeiten: 1591 wurde der Pastor von Handorf von hollĂ€ndischen Raubtruppen verschleppt. 1622 kam es im Zusammenhang mit Fischereirechten an der Werse zu einem Überfall mĂŒnsterscher Stiftssoldaten auf den Hof Pröbsting.

Besonders schwer traf der DreißigjĂ€hrige Krieg (1618–1648) die Region. 1635 wurde das Wohnhaus des Hofes zerstört und das gesamte Inventar geplĂŒndert. In Verbindung mit Missernten fĂŒhrte dies zu einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Viele Bauern in Handorf verarmten, Höfe wurden aufgegeben, Felder blieben unbestellt und WĂ€lder verwĂŒstet. Auch Pröbsting geriet in schwere finanzielle Not und stand 1679 kurz vor dem Ruin. 1689 beliefen sich die RĂŒckstĂ€nde gegenĂŒber dem Grundherrn bereits auf 1477 Reichstaler.

Erst im 18. Jahrhundert stabilisierte sich die Lage allmĂ€hlich wieder. Doch der SiebenjĂ€hrige Krieg (1756–1763) brachte erneut Zerstörung: Das kurz zuvor errichtete Wohnhaus auf dem Hof wurde niedergebrannt. Um 1770 entstand ein Neubau, der als grĂ¶ĂŸtes Bauernhaus in Handorf galt. Er verfĂŒgte als einziges ĂŒber ein 15-fach-Fachwerk mit fĂŒnfzehn senkrechten StĂ€ndern. Im Brandversicherungskataster von 1780 wurde Pröbsting mit 590 Reichstalern als höchstbewerteter Hof gefĂŒhrt.

Aufgrund seiner GrĂ¶ĂŸe hatte der Hof besondere wirtschaftliche Bedeutung.

Neben den ĂŒblichen Abgaben wie Roggen, Gerste, Hafer und Kleinvieh lieferte Pröbsting zusĂ€tzlich RĂŒbsamen zur Ölgewinnung an das Stift Überwasser. 1839 wurden die Naturalabgaben schließlich in feste Geldzahlungen umgewandelt; jĂ€hrlich waren 121 Reichstaler zu entrichten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich im Raum Handorf eine lebendige Gastwirtschaftskultur. Bereits 1828 gab es sechs GaststĂ€tten, darunter auch Pröbsting. Neben dem „Nobis Krug“, der seit 1536 belegt ist, zĂ€hlte Pröbsting 1836 zu den „vorzĂŒglichsten KaffeehĂ€usern und öffentlichen Belustigungsorten außerhalb der Stadt MĂŒnster“.

Um 1850 ging der Hof in den Besitz des Freiherrn von Korff ĂŒber, spĂ€ter an die Stiftung Rudolph von der Tinnen. Die Familie Pröbsting, zunĂ€chst Johann Bernhard und spĂ€ter sein Sohn Bernhard, bewirtschaftete den Hof als PĂ€chter und fĂŒhrte auch die Gastwirtschaft weiter. Um 1928 wurde ein Festsaal errichtet.

Ab etwa 1960 entstand ein großes Wildgehege mit Dam- und Schwarzwild. Der Gasthof firmierte fortan unter dem Namen „Wildpark Haus Pröbsting“.

Um die Jahrtausendwende wurden Landwirtschaft und Gastronomie schließlich eingestellt.

Das Anwesen wurde in mehrere Wohneinheiten umgewandelt, umgeben von Gartenanlagen und einem kleinen WaldstĂŒck.

 

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Vennemann

Zur alten Dorfmitte von Handorf gehörte auch der Hof Udemann, der spÀter als Haus Vennemann bekannt wurde.

Bereits 1295 wird er als Udendorp erwĂ€hnt und lag seit jeher an der Werse. Damit zĂ€hlt er – ebenso wie der Hof Pröbsting – zu den Ă€ltesten SiedlungsplĂ€tzen im Kirchspiel Handorf, deren Ursprung im 11. und 12. Jahrhundert liegt.

Der Hof gehörte dem Bischof von MĂŒnster und wurde im Laufe der Jahrhunderte als Lehen an verschiedene Herren vergeben. Wie viele Höfe der Region war auch Udemann wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges (1618–1648) schwer betroffen. In den 1640er Jahren fĂŒhrten durchziehende Truppen zu erheblichen Zerstörungen und Verlusten.

Mit der SĂ€kularisation im Jahr 1803 Ă€nderten sich die wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse grundlegend. Abgaben und Dienste wurden schrittweise in feste Geldzahlungen umgewandelt, wodurch die bĂ€uerlichen Betriebe im 19. Jahrhundert zunehmend wirtschaftlich unabhĂ€ngig wurden. FĂŒr Udemann bedeutete dies im Jahr 1843 die Ablösung der bisherigen Abgaben in Höhe von 176 Reichstalern.

Mitte des 19. Jahrhunderts ĂŒbernahm Johann Bernhard Vennemann aus MĂŒnster den Hof an der Werse. Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb entwickelte sich zunĂ€chst eine Gastronomie, spĂ€ter ein Hotelbetrieb, die fortan den Schwerpunkt des Hauses Vennemann bildeten.Im Jahr 1902 wurde ein Kurhotel errichtet.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Vennemann zu einer der grĂ¶ĂŸten AusflugsgaststĂ€tten im MĂŒnsterland.

Der große Saal sowie die Terrassen an der Werse boten Platz fĂŒr bis zu 1.500 GĂ€ste und machten den Ort zu einem beliebten Ziel fĂŒr Feste und Veranstaltungen.

1971 wurde ein Großteil des HotelgebĂ€udes abgerissen. Um die Jahrtausendwende wurden sowohl Hotel als auch Gastronomie endgĂŒltig aufgegeben. Anschließend entstand die heutige Wohnbebauung.

 

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

Handorfer Hof

An der Stelle des heutigen Seniorenzentrums befand sich ursprĂŒnglich der Handorfer Hof – ein Gasthof mit angeschlossener Landwirtschaft.

Bereits 1873 heiratete Georg Heinrich Bitter die Tochter des damaligen Gast- und Landwirts und ĂŒbernahm damit den Hofbetrieb. Sein Sohn Heinrich (†1943) fĂŒhrte spĂ€ter sowohl die GaststĂ€tte als auch die Landwirtschaft sowie die Schmiede weiter und prĂ€gte den Hof ĂŒber viele Jahrzehnte. In den 1970er Jahren wurde im „Handorfer Hof“ zusĂ€tzlich ein Hotel eingerichtet.

Der gesamte Komplex aus Gasthof, Hotel, Biergarten, Fachwerkscheune, Schmiede und Tankstelle bildete ĂŒber lange Zeit einen wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Mittelpunkt im Ort.

Am 30. Oktober 2001 wurde der „Handorfer Hof“ schließlich vollstĂ€ndig geschlossen. Von dem ehemaligen Ensemble blieb lediglich das historische GasthofgebĂ€ude erhalten, das in den neuen GebĂ€udekomplex integriert wurde. Das ehemalige Fachwerkhaus wurde abgetragen und am Kirschgarten wieder aufgebaut. Es ist seitdem das Vereinsheim des Heimatverein Handorf e.V und steht der Handorfer BĂŒrgerschaft zur VerfĂŒgung.

Auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Handorfer Hofes errichtete die Diakonie MĂŒnster ein Seniorenzentrum. Am 20. September 2021 nahm dort die erste Tagespflege ihren Betrieb auf.

(Text: Dr. Jörgen Vogel)

 

St. Petronilla in Handorf

An der Stelle der heutigen Kirche stand um das Jahr 1030 die erste Kirche von Handorf. Als Stifterin gilt die Edelfrau Reinmod (Richmodis), GrĂ€fin von Cappenberg. Sie besaß im MĂŒnsterland umfangreiche GĂŒter, darunter auch Besitz in Handorf. Bei dem ersten Kirchenbau handelte es sich vermutlich um eine einfache Holzkirche.

Reinmod stammte aus dem frĂ€nkischen Adel und war damit Teil jener Tradition, die auf Karl den Großen zurĂŒckgeht, der das Gebiet der Sachsen bereits im 8. und 9. Jahrhundert in das Frankenreich eingegliedert hatte. Die Stammespatronin der Franken war die heilige Petronilla, die im Jahr 257 in Rom den MĂ€rtyrertod erlitt und seitdem als Heilige verehrt wird.

Diese Heilige wĂ€hlte Reinmod als Patronin der Handorfer Kirche. ZunĂ€chst handelte es sich um eine Eigenkirche, die spĂ€ter an den mĂŒnsterschen Bischof Siegfried von Waldeck ĂŒbertragen wurde. Dieser weihte die Kirche vermutlich um das Jahr 1032.

Lange Zeit gehörte die Kirche zur Dompfarrei in MĂŒnster, bevor sie Mitte des 13. Jahrhunderts eigenstĂ€ndige Pfarrei wurde. In einer Urkunde von 1282 wird Handorf erstmals ausdrĂŒcklich als Pfarrei genannt. Damit waren Tauf- und BegrĂ€bnisrechte verbunden. Bereits wenige Jahre spĂ€ter, um 1300, erfolgte ein Umbau der Kirche.

Nach rund 400 Jahren war der Bau stark baufĂ€llig geworden. Die Kirche wurde bis auf Turm und Chor abgetragen und durch einen Neubau aus Baumberger Sandstein ersetzt. Teile des mittelalterlichen Langhauses sind in ihrer Substanz bis heute erhalten. Die Einweihung der neuen Kirche erfolgte im Jahr 1700, wie das Chronogramm ĂŒber dem SĂŒdportal belegt:

D(eo) M(aximo) et sanctae Petronellae

(„Gott dem Besten und GrĂ¶ĂŸten und der heiligen Petronilla“)

1864 wurde der Kirchturm in neugotischem Stil erneuert, fiel jedoch nur wenige Jahre spĂ€ter einem Brand zum Opfer. Im Jahr 1942 wurde er im Zuge des Zweiten Weltkriegs abgetragen, da er sich in der Einflugschneise des MilitĂ€rflugplatzes Handorf befand. Erst 1976 erfolgte der Wiederaufbau des Turmes, jedoch in reduzierter Höhe. Bereits 1913 war die Kirche durch den Anbau eines Querschiffs, die Erweiterung des Chorraums sowie eine neue Sakristei erweitert worden. Zu den besonderen AusstattungsstĂŒcken der Kirche zĂ€hlt der romanische Taufstein, der in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts datiert wird. Auch die Glocken besitzen besondere historische Bedeutung. Die Ă€lteste Glocke ist die sogenannte Petronilla-Glocke aus dem Jahr 1512. Ihre Inschrift lautet:

„Petronella vocor, jubila quoque voce sonabo
“

(„Petronella heiße ich, und mit jubelndem Klang werde ich ertönen und die Menschen zum Gottesdienst rufen.“)

WĂ€hrend der Abtragung des Turmes im Jahr 1942 wurde die Glocke in die St.-Clemens-Kirche in Telgte ausgelagert und entging so vermutlich der Einschmelzung im Krieg. 1976 kehrte sie in den neu errichteten Kirchturm zurĂŒck. Die zweite Glocke, die Pankratius-Glocke, wurde 1659 von Johann Kreft gegossen. Die dritte, kleinste Glocke stammt aus dem Jahr 1831. Sie musste im Zweiten Weltkrieg abgeliefert werden und wurde im Zuge der Turmneuerstellung 1976/77 durch eine neue Johannes-Glocke ersetzt.

 

(Text: Dr. Jörgen Vogel)